Kindermoord volgens voorschrift in Gaza

What I miss most is going to school. With my brother.


 
Wahid zou nu 50 geweest zijn, wellicht vader van kinderen en kleinkinderen, die momenteel en masse vernietigd, uitgemoord worden. Ja, de geschiedenis gaat snel en de fascisten, pardon zionisten leveren geen half werk. Vandaar die immense steun uit dat deel van de wereld dat zich beschaafd acht?
 

 

As the world marks the International Day of Innocent Children Victims of Aggression, minors continue to suffer under Israel’s bombing campaign and complete siege of the enclave, where a ‘man-made famine’ is worsening and access to food and water is ever more scarce.

 

 
update 6 juni 2024
 


 
 

FEUER NACH VORSCHRIFT

 
Das Leben von Wahid Burhum Abu Salim war kurz und endete gewaltsam. Er starb, 14 Jahre alt, am 10. Dezember 1987.

Wahid hatte sich am frühen Morgen vor dem Lebensmittelladen seiner Familie in der Bahr-Straße von Chan Junis, einem Städtchen im Gazastreifen, an einer Demonstration beteiligt, mit der Einwohner gegen die Brutalität der israelischen Armee am Tage zuvor protestierten. Um die damals gerade aufgeflammte Intifada rasch zu beenden, hatten Israels Sicherheitskräfte auf protestierende Palästinenser geschossen. Mehrere Araber waren getötet, viele verletzt worden.

Wenige Minuten nachdem in Chan Junis Sprechchöre durch die engen Straßen gehallt waren, erschien ein israelisches Einsatzkommando, angeführt von »General Joel«, einem im Gazastreifen berüchtigten und gefürchteten Offizier. Die Israelis gingen mit Schlagstöcken gegen die Araber vor, zogen sich aber unerwartet schnell zurück. Die Demonstranten, die in umliegenden Häusern Deckung gefunden hatten, drängten wieder auf die Straße – mitten in eine taktische Falle.

Der Armeetrupp war mit seinen Jeeps nur ein paar Straßenblocks weitergefahren und dann auf einem Umweg in die Bahr-Straße zurückgekehrt. Joel führte vor, wie der Protest einer unbewaffneten Menge schnell und wirkungsvoll erstickt werden kann. Er kniete nieder, legte in aller Ruhe sein Schnellfeuergewehr an und gab einen einzigen gezielten Schuß ab.

Die Kugel traf Wahid, der, in die Schläfe getroffen, zusammenbrach. Danach begnügte sich der Offizier mit Streufeuer, das 36 Einwohner der Ortschaft teilweise schwer verletzte. Nach vollbrachter Tat zogen die Israelis geordnet ab.

Nachbarn schafften Wahid ins nahe Nassir-Krankenhaus, von wo er mit einem Hubschrauber in ein Hospital bei Tel Aviv gebracht wurde. Die Ärzte verzichteten auf eine Operation, sie versorgten den bewußtlosen Jungen nur noch mit Sauerstoff. Wahid starb kurz nach 20 Uhr.

Wenige Tage später erhielten seine Eltern eine persönliche Warnung Joels: Sollten sie mit Journalisten über den Vorfall sprechen, werde er »sie alle töten«. Auch die Familien von Verwundeten schüchterte der israelische Militär mit Morddrohungen ein.

Wahid war eines der ersten Opfer der Intifada. Sein Tod wird als »Fall Nummer GS 2« in einem dreibändigen Bericht beschrieben, der im Mai in Jerusalem vorgelegt wurde: »Die Lage palästinensischer Kinder während des Aufstands in den besetzten Gebieten«.

Zusammengestellt wurde die Studie von der US-Soziologin Anne Elizabeth Nixon und zwei Dutzend amerikanischen, britischen und palästinensischen Mitarbeitern, unterstützt von Ärzten, Krankenschwestern und Mitarbeitern der Uno-Flüchtlingshilfsorganisation für Palästinenser im Nahen Osten UNRWA.

Ursprünglich hatte das US-Kinderhilfswerk Save the Children Anne Elizabeth Nixon beauftragt, Grundlagen für eine Reihe praktischer Hilfsprojekte auszuarbeiten. Als sie gewahr wurde, »daß Gewalt, besonders Gewalt gegen Kinder, alles andere überschattet«, entschloß sie sich zu einer detaillierten Untersuchung. Mittel dafür stellte unter anderem die New Yorker Ford Foundation zur Verfügung, das schwedische Kinderhilfswerk Rädda Barnen finanzierte die Veröffentlichung. Im Gegensatz zur amerikanischen Schwesterorganisation betreibt das schwedische Hilfswerk auch »Aufklärung und Meinungsbildung«.

Generalsekretär Thomas Hammarberg, von 1980 bis 1986 auch Chef von Amnesty International: »Wir würden uns mitschuldig machen, wenn wir schwiegen.« Denn: »Die hier beschriebenen Verletzungen können nicht als ein paar Fälle von Willkür einzelner Soldaten abgetan werden. Sie wurden massiv und systematisch begangen und spiegeln Regierungspolitik wider.«

Der Nixon-Bericht enthüllt eine Brutalität gegen Kinder, deren Ausmaß bisher nicht bekannt war. Insgesamt wurden in den ersten beiden Intifada-Jahren 159 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren getötet, ein Viertel davon, meist Babys, »die in ihrem Bett lagen«, erstickten an Tränengas, »das Soldaten mit Kanistern ins oder vor das Haus warfen«. Andere starben an den Verletzungen durch Sprengsätze oder wurden schlicht erschlagen, wobei Soldaten ihre Holzknüppel oder die gummierten Stahlrohr- und Kunststoffschlagstöcke schon mal mit Nägeln und Rasierklingen nachrüsteten.

Der Mammutbericht von 1000 Seiten wird allein durch die aufgeführten Tatsachen zur verheerenden Anklage gegen Israels Besetzungspolitik. »Die Untersuchungsergebnisse enthüllen«, so das Fazit, daß »oft wiederholte offizielle Darstellungen der Regierung und der Armee Israels gegenstandslos und falsch sind«.

Unrichtig ist etwa die Standardrechtfertigung für Tod und Verletzungen von Palästinenserkindern und -jugendlichen, die das Jerusalemer Justizministerium schriftlich allen Botschaften und der Presse zustellt. »Kinder jeden Alters«, heißt es da, »werden von der PLO und extremistischen islamischen Elementen zur Teilnahme an Gewaltakten in den Straßen angeworben«, vor allem zum Bau von Barrikaden aus brennenden Reifen und Pflastersteinen und zum Werfen von Steinen und »anderen gefährlichen Gegenständen auf israelische Zivilisten und Soldaten«. Der Bericht stellt fest, daß weder die Justizbehörden noch die Ermittler der Militärpolizei trotz ihrer Behauptung, »jeden Tod eines Kindes zu untersuchen«, bislang auch nur einen einzigen Fall »belegen können, in dem ein Kind unter solchen Umständen getötet wurde«. Die Nachforschungen ergaben vielmehr, daß »wahlloses Prügeln, Tränengaseinsätze und das Niederschießen von Kindern im Elternhaus oder in nächster Nähe, im Klassenzimmer und auf dem Weg zum Lebensmittelladen« Hauptursachen für die Todesfälle waren.

Die Anlässe für die tödlichen Einsätze der Israelis erwiesen sich häufig als nichtig. Oft reichte, daß Kinder »das V-Zeichen für Victory machten, nationalistische Reime sangen, Soldaten hänselten oder beschimpften, palästinensische Fähnchen in ihren Schulbüchern aufbewahrten oder an Strommasten aufzogen, Ausgehverbote übertraten und an Demonstrationen teilnahmen, egal, ob dabei Steine flogen oder nicht«.

Tamir Dschalal Dassuki, 10, aus dem Dorf Burka bei Nablus tat nichts dergleichen und mußte dennoch sterben. Dorfbewohner protestierten am 3. Februar 1988 gegen ein Kommandounternehmen, mit dem israelische Soldaten kurz zuvor das Dorf überrollt und durchsucht hatten. Sofort war ein Armeetrupp mit zwei Jeeps zur Stelle und eröffnete das Feuer. Mehrere Demonstranten wurden verletzt.

Als die Schüsse durch die Straßen fetzten, vergnügte sich Tamir hundert Meter von den Demonstranten entfernt im zweiten Stock des Hauses seiner Eltern, die ihren Kindern Ausgehverbot erteilt hatten, mit seinen beiden Brüdern beim Murmelspiel. Eine Kugel durchschlug das Fenster und bohrte sich in seinen Kopf.

Die Militärbehörden versuchten, sich der Verantwortung für den Tod des Kindes zu entziehen. Der Gouverneur erschien höchstpersönlich und machte dem Großvater Vorwürfe, daß er seinen Enkel während der Unruhen nicht zu Hause gehalten habe. Der wütende Großvater wies den Offizier auf den wahren Sachverhalt hin: Er zeigte ihm das Einschußloch im Fenster.

In der Darstellung der Armee steht davon nichts. Dort heißt es, daß »ein zehn Jahre alter Junge durch einen Querschläger ernsthafte Brustverletzungen erlitt«, als Soldaten gegen »Aufrührer«, die »eine Einheit der israelischen Verteidigungsstreitkräfte angegriffen hatten«, das Feuer eröffneten. Im Sommer vergangenen Jahres stellte die Armee die Ermittlungen zum Tod Tamirs mit der lapidaren Begründung ein, die Soldaten hätten »in einer für sie gefährlichen Situation das Feuer nach Vorschrift eröffnet«.

Tamirs Tod, so stellt der Nixon-Bericht klar, ist kein vereinzelter Unglücksfall. In den ersten beiden Jahren der Intifada wurden 106 Kinder und Jugendliche allein durch Gewehr- und MP-Schüsse getötet.

In 66 Fällen konnten Nixon-Mitarbeiter die Umstände erhellen. 33 Prozent der Kinder waren »nicht in der Nähe einer Protestaktion« gewesen, 40 Prozent wurden erschossen, als sie »verletzten Demonstranten halfen, vor Soldaten flohen, an einer Demonstration vorbeikamen oder sich von ihr absetzten, die Verhaftung eines Nachbarn zu verhindern suchten oder an einem Schweigemarsch teilnahmen«. Salame Tahsin Subeih, 14, war auf dem Weg zum Fußballspiel, als er von einer Militärpatrouille erschossen wurde.

Fast jedes fünfte Opfer wurde »zu Hause oder im Umkreis von zehn Metern davon« getötet.

Die zweijährige Asma spielte am 2. Februar 1988 nach Anbruch der Sperrstunde, die zeitweilig über das Flüchtlingslager Balata bei Nablus verhängt war, in einem Innenhof. Die Tür in der mannshohen Mauer zur Straße war verschlossen. Eine vorbeiziehende Streife feuerte, um den Verstoß gegen das totale Ausgehverbot zu ahnden, über die Mauer Hartgummigeschosse auf die Kleine ab und verletzte sie im Gesicht. Asma überlebte, ihre tiefen Platzwunden über der Lippe und auf der Stirn konnten im Krankenhaus genäht werden. Den aufgebrachten Eltern spendeten die Täter in Uniform makabren Trost: »Das waren nur Gummikugeln.«

Doch auch solche Munition, in Wahrheit Metallprojektile mit einem Gummi- oder Plastikmantel, kann tödlich wirken. Ein Kunststoffgeschoß führte am 1. Mai vergangenen Jahres zum langsamen und qualvollen Tod von Samir Mohammed Mirei, 9, aus dem Flüchtlingslager in Tulkarm – »Fall Nummer GS 61«.

Samir hatte am 26. April vom Dach seines Elternhauses zusammen mit seinem Cousin Baha, 13, dem vorbeiziehenden Trauerzug nachgeschaut, der dem am selben Tag auf offener Straße von einem Soldaten erschossenen Issam Umar Anis Hassin, 8, das letzte Geleit gab. Samir spielte mit Baha auch weiter auf dem Dach, obwohl die Armee kurzfristig ein Ausgehverbot verhängt hatte. Von einem hundert Meter entfernten Kontrollturm der Israelis feuerte ein Wachposten einen Schuß auf die Kinder ab. Samir fiel, ins Auge getroffen, zu Boden.

Die Bemühungen der Ärzte in der UNRWA-Lagerklinik und in verschiedenen Krankenhäusern konnten den Jungen nicht retten. Er starb nach fünf Tagen. Das Plastikgeschoß hatte laut Röntgenbefund das Auge und dahinter Teile des Gehirns zerfetzt.

In der Zwischenzeit durchsuchte eine Streife, angeführt von einem Offizier, das Lager nach dem »Kerl, dem ins Auge geschossen wurde«. Ins Haus der Familie Mirei drang sie einen Tag nach dem Todesschuß um sechs Uhr morgens ein. Nach Zeugenaussagen von Familienmitgliedern, Nachbarn und einem Arzt sowie den Recherchen von Journalisten tobten der Offizier und die fünf Soldaten wie Berserker.

Sie vergriffen sich an Mahmud, 3, knüppelten mit Schlagstöcken systematisch Fensterscheiben, Mobiliar und Geschirr in Stücke, zerfetzten Vorhänge und Kleider, verstreuten die Nahrungsmittel auf dem Küchenfußboden, beschimpften die Mutter als »Hure« und drohten ihr mit Vergewaltigung. Schließlich drehte der Offizier am Küchenherd alle Gashähne auf. Als die Mutter das zu verhindern versuchte, schlug er ihr mit seinem Schlagstock auf Handgelenk, Schulter und Bein.

Genaue medizinische Analysen erweisen Behauptungen des israelischen Justizministeriums, daß »Kinder manchmal Schußwunden von Kugeln erleiden, die auf die Beine von erwachsenen Aufrührern abgefeuert werden, die das Leben von Zivilisten oder israelischen Soldaten gefährden«, ebenso als Ausflucht wie die offizielle Erklärung des Stellvertretenden Stabschefs Ehud Barak, daß »auf Kinder unter keinen Umständen gefeuert werden darf, nicht einmal unterhalb des Knies«.

Die meisten Kinderopfer wurden laut Recherchen der Nixon-Gruppe von »gezielten« Schüssen in Kopf oder Nacken getötet, ein Fünftel von mehreren Kugeln, zwölf Prozent von Schüssen in den Rücken. Nur ein einziges Kind starb durch einen Querschläger.

Um eine distanzierte Darstellung der Geschehnisse bemühen sich die Autoren des Schreckensberichts auch dort, wo ein Aufschrei über die Greuel mehr als verständlich wäre: Im Flüchtlingslager Schati im Gazastreifen hielten Schülerinnen der Preparatory Girls School A am 5. Dezember 1988 die traditionelle Gedenkfeier für eine Mitschülerin ab, die 40 Tage zuvor von Soldaten erschossen worden war.

Als plötzlich in der Nähe der Schule Steine flogen, rannten Asma Suleiman Abu Abda, 13, und ihre beiden Schwestern weg, um nach Hause zu kommen. In der Gasse, die zur Behausung der Familie führt, kam ihnen ein Armeejeep entgegen, worauf die Mädchen voller Angst kehrtmachten und zurückliefen.

Ein bärtiger Fallschirmjägeroffizier setzte ihnen nach und jagte aus etwa zehn Meter Entfernung eine Kugel in Asmas Hinterkopf. Den Körper des zusammengebrochenen Mädchens beförderte er mit dem Fuß in den Abwasserkanal am Straßenrand. Eine entsetzte Nachbarin, die sich darüber erregte, beschied der Soldat mit der roten Baskenmütze: »Das ist doch nur ein toter Hund.« Die Armee kennt den Namen des Mörders. Nur Stunden nach Asmas Beerdigung nahmen hohe Offiziere vor Ort Verhöre und Ermittlungen auf, die mehrere Tage dauerten. Das Ergebnis blieb unbekannt.

Die Getöteten sind nur ein Bruchteil aller unmündigen Opfer des Kampfes gegen die Intifada. Etwa 60 000 Kinder wurden während des Untersuchungszeitraums nach Gewalteinwirkung medizinisch versorgt, rund 8000 wegen Schußwunden, etwa 12 000 nach Verletzungen durch Tränengas.

Die Soldaten selbst nehmen sich ihrer Opfer nicht an. »Hilfe für das verwundete und sterbende Kind«, resümiert die Studie, »wurde von der Armee in nur 2 von 93 dokumentierten Fällen, in denen medizinische Betreuung ausdrücklich verlangt wurde, gewährt.«

Dagegen wurde bei 40 Prozent der tödlich verletzten Kinder und bei vier von fünf Schußwaffentodesopfern »medizinische Nothilfe durch direktes Eingreifen der Militärs verhindert oder verzögert«. 20 Prozent der durch Schußwaffen verletzten Kinder starben in militärischer Haft.

Der Nixon-Bericht bestätigt frühere Befunde der Organisation »Ärzte für Menschenrechte«. Eine Gruppe von amerikanischen Ärzten und Psychologen der City University of New York und der Harvard-Universität beklagte eine »unkontrollierte Epidemie von Gewalt seitens der (israelischen) Armee und Polizei«. Einer der Ärzte urteilte: »Wenn dies ein Krieg wäre, müßte vieles von dem, was wir beobachtet haben, als Kriegsverbrechen eingestuft werden.«

Trotz gegenteiliger Versicherungen kommen die Täter in der Regel ungeschoren davon. Ein von der Brutalität der eigenen Kameraden angewiderter israelischer Reservist erklärte in der Zeitung Haaretz: »Die einzigen, die bestraft werden, sind jene, die zufälligerweise in Fernsehberichten vorkommen.«

Israels Politiker wollen von den Greueln nichts wissen. Als Präsident Chaim Herzog im Mai Stockholm besuchte, weigerte er sich, den Nixon-Bericht zur Kenntnis zu nehmen. In der Synagoge entrüstete er sich später über dessen angebliche Einseitigkeit. Zum einen, so rügte Herzog, enthalte der Bericht kein Wort über zwei Brandbombenanschläge palästinensischer Jugendlicher, bei denen je eine israelische Mutter und ihre Kinder in den Flammen umkamen. Zum anderen kenne er keine schwedische Organisation, die »für das tragisch schreckliche Schicksal von Tausenden unschuldiger Kinder, die in Beirut ermordet wurden, Interesse gezeigt hat«.

Israels Botschaft hätte ihren Präsidenten eines Besseren belehren können. Schwedische Linksgruppen unterhalten Ambulanzen für Palästinenser in libanesischen Flüchtlingslagern. Diakonia, das Hilfswerk der lutherischen Freikirchen, betreut und versorgt in und um Beirut vorwiegend christliche Flüchtlinge und verwundete wie behinderte Kinder. Bis vor drei Jahren war auch Rädda Barnen in Beirut tätig, bevor die Organisation ihre Helfer aus Sorge um deren Leben abzog.

Es gibt auch israelische Militärs, die sich ihres Tuns schämen. Einer brachte seine Geschichte in der Links-Zeitung Al Hamischmar unter, nachdem große israelische Blätter ihn mit dem Argument abgewimmelt hatten: »Die Leser haben die Schnauze voll von Greuelgeschichten.«

Seine Streife hatte Ende März 1988 einer Gruppe fliehender Jugendlicher, die Steine geworfen hatten, bis in ihr Dorf nachgesetzt, erwischte aber nur noch einen unbeteiligten Zehnjährigen. Als der auf die Aufforderung, die Namen der Steinewerfer zu nennen, nicht reagierte, setzte es Schlagstockprügel, um, so einer der Soldaten, »aus seiner Birne Mus zu machen«.

Das Kind stieß nur schrille Heul- und Quietschlaute aus, sagte aber kein Wort. Als die Mutter sich zwischen die Soldaten und ihr Kind stürzte und schluchzend etwas erklären wollte, wurde sie ebenfalls zusammengeschlagen, der Junge so lange verprügelt, bis er reglos auf der Straße lag und »wie ein Beefsteak aussah«.

Als Dorfbewohner die Schläger aufklärten, daß ihr Opfer geistig behindert und taubstumm sei, befahl der Offizier seiner Streife nur lakonisch: »Los, weiter, wir haben keine Zeit für Spielereien.«

Für den von Gewissensbissen geplagten Soldaten ist der wahre Verantwortliche der damalige Verteidigungsminister Jizchak Rabin: »Alles läuft so, wie er es programmiert hatte . . . von Schüssen in die Luft zum Einsatz von Schlagstöcken, von Schlagstöcken zu Beinschüssen, von Beinschüssen zu Todesschüssen – alles nach Vorschrift.«

Rabin selbst weist alle Anklagen gegen die Armee mit einer Standardfloskel zurück, die israelische Soldaten fast als einen Freifahrtschein für weitere Übergriffe auffassen könnten. Er schiebt die Schuld den Eltern zu, die »ihre Kinder auf die Straße schicken«.
 


BRON
DER SPIEGEL 26/199024 juni 1990


 

 

Uitgelicht: bron – Ingevoegd: bron

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