EEN ACTUALISERING VOORAF
No way 🙅♂️ pic.twitter.com/RRVzXVpfD6
— Osita Mba (@DrOsitaMba) March 20, 2025
Het in koloniale, racistische termen denken is waarschijnlijk in dit tijdvak, waarin mensenrechten hoog op de agenda staan als politiek wapen, nog nooit zo sterk aan de oppervlakte gekomen als sinds de 7de oktober. En je bent geneigd te zeggen wie anders dan een uit Duitsland afkomstige politica weet dat zo kras te verwoorden als Annalena Baerbock. Terroristen zijn volgens haar diegenen die zich tegen geweld en onderdrukking verzetten. Trek de lijn door naar het koloniale verleden en alles wordt glashelder. Wat toen geen onrecht was in de ogen van het geciviliseerde, christelijke Westen, kan immers nu ook geen onrecht zijn.
Ze heten nu excessen, die toenmalige genocidale misdaden. Nee, ze waren de essentie van de onderdrukking opgelegd door de koloniale heersers. Slechts door misdaden tegen de menselijkheid kon het Westen zijn dominante stelling verwerven. Ze werd verder verankerd door de neokoloniale politiek van de USA met als leidraad de Truman-doctrine, die we n.b. zelfs terugzien in Oekraïne. Overigens, het uranium voor de eerste atoombommen kwam uit de Congo, een Belgische kolonie. De bevrijding ging daar gepaard met de moord op Lumumba, onder regie van de Amerikanen, waarbij de uitvoering overgelaten werd aan de Belgen.
EUROPAS DUNKLE SEITE
Die Aufarbeitung kolonialer Gewalt wurde lange verdrängt, jetzt wird sie offener debattiert. Gibt es eine Aussöhnung?
Arne Perras
Im Roman „Die Satanischen Verse“ lässt der Autor Salman Rushdie einen indischen Filmdirektor namens Whisky Sisodia den Satz stottern: „Das Problem mit den Eng-Engländern ist, dass ihre Gege-Geschichte in Übersee pa-passiert ist, da-daher wissen sie nicht, was sie bedeutet“. Selten wurden das British Empire mit seinen Abgründen so schonungslos bloßgestellt. Und der Satz ist aktueller denn je in einer Zeit, in der das toxische Erbe des Kolonialismus neue Debatten anstößt.
Großbritannien flüchtet sich oft in Verklärung und schwelgt noch immer in Nostalgie über sein verflossenes Reich. Aber hat sich die einstige Weltmacht jemals ernsthaft dafür interessiert, was sie in ihren Kolonien alles angerichtet hat? Man könnte es auch als partielle Amnesie beschreiben, mit der nicht nur Großbritannien, sondern auch andere europäische Staaten lange Zeit auf ihre imperiale Geschichte blickten.
Europa. Ist das nicht die Wiege der Aufklärung und der Menschenrechte? Wer sich mit den früheren Kolonien beschäftigt, muss leider sagen: Dieses Europa hat auch seine dunkle Seite. Sie entfaltete sich dort, wo die Europäer zu Eroberern wurden, wo sie Land nahmen und andere Völker unterwarfen. Der Wille zur Herrschaft paarte sich mit einem aggressiven Rassismus und schuf so die mentalen Voraussetzungen, unter denen so viel Ausbeutung und Gewalt erst möglich wurden.
Ja, sie bauten auch schöne Eisenbahnen, und später Universitäten, wo dann jene Freiheitsgedanken wuchsen, die Europas Herrschaft ironischerweise wieder zum Einsturz brachten. Wahr ist aber auch: Wer nicht parierte im Alltag kolonialer Knechtschaft, der war schnell dem Tode geweiht. Zahllose Strafexpeditionen und Massaker, die in nahezu allen Kolonialgebieten nachweisbar sind, von Australien über Asien nach Afrika bis in die Karibik und Amerika, wurden in Europa sehr lange ausgeblendet.
Das ändert sich erst seit einigen Jahren, wenn auch zäh und nicht überall in gleichem Maße. Die düstere Geschichte zu verdrängen ist nicht mehr so leicht wie früher, zum einen, weil die Kritik an Rassismus und Diskriminierung gewachsen ist. Zum anderen, weil es den Nachfahren der Opfer kolonialer Gewalt zunehmend gelingt, sich Gehör zu verschaffen. Wie stark sich die Tendenz zur Aufarbeitung durchsetzen wird, hängt aber auch davon ab, welches politische Gewicht rechtslastige Gruppen in Zukunft erlangen werden. Denn sie wollen keine kritische Auseinandersetzung mit dem Erbe kolonialer Gewalt.
Die verspätete Beschäftigung mit den Verbrechen wirft Fragen auf. Wie geht Europa damit um? In welchen Fällen muss Wiedergutmachung gezahlt werden? Ist historisches Unrecht überhaupt mit Geld aufzuwiegen, zumal wenn jene, die man entschädigen müsste, lange tot sind? Und was sind Europas Regierungen den Nachfahren dieser Menschen schuldig?
Gerade Deutschland zieht internationale Aufmerksamkeit auf sich, weil es jüngst verkündete, dass es sich mit Namibia auf ein Versöhnungsabkommen geeinigt habe. Berlin erkennt nach mehr als hundert
Jahren den Völkermord an den Herero und Nama (1904 bis 1908) an, der etwa 80000 Menschen das Leben kostete. Und es hat Zahlungen von etwa einer Milliarde Euro als Wiederaufbauhilfe angeboten. „Das ist schon eine historische Wegmarke“, sagt der Afrikawissenschaftler Jürgen Zimmerer von der Uni Hamburg. „Zum ersten Mal hat sich eine frühere europäische Kolonialmacht zu einem Verbrechen dieser Größenordnung bekannt und ist bereit, Geld zu zahlen.“
Doch was zunächst nach dem Abschluss erfolgreicher Verhandlungen klang, ist womöglich der Beginn neuer Verwicklungen. Mehrere Gruppen der Herero und Nama beklagen nicht erst jetzt, sie seien in Gespräche nicht eingebunden gewesen. Manche empfinden die Summe, mit der über 30 Jahre lang Projekte in Namibia finanziert werden sollen, als Beleidigung; sie pochen darauf, dass Nachfahren der Opfer direkt entschädigt werden müssten. Deutschland aber hat nur mit der Regierung von Namibia verhandelt, der die Herero und Nama als Minderheiten wiederum stark misstrauen.
Eine Klage in den USA, die direkte Entschädigungen für Nachfahren des Genozids erzwingen sollte, ist vor zwei Jahren gescheitert. Es gilt die Immunität des deutschen Staates. Dennoch ist Deutschland in einer schwierigen Lage, weil sich Versöhnung nicht gegen den Willen jener Menschen erreichen lässt, die man um Verzeihung bitten will. Dass nun offenbar zahlreiche Nachfahren der Opfer verärgert sind, ist kein gutes Zeichen, und es rückt eine geplante Reise des Bundespräsidenten nach Windhuk in weite Ferne. Denn wer wollte sich das vorstellen: Buhrufe und Proteste gegen ein deutsches Staatsoberhaupt, das in einer früheren Kolonie um Vergebung bitten will– solche Szenen würden das ganze Vorhaben ad absurdum führen.
Wie immer der Streit ausgeht, eine Signalwirkung wird der Fall Namibia auf andere Länder vermutlich haben. Schließlich wütete die deutsche Kolonialmacht auch auf der anderen Seite des Kontinents, im heutigen Tansania. Dort schlugen Truppen die Maji-Maji-Rebellion nieder (1905-1907). Die Afrikaner glaubten, dass sie durch Zauberwasser – Maji – geschützt seien vor tödlichen Kugeln. Aber die Magie wirkte nicht, Massaker waren die Folge. Und die Deutschen verfolgten eine Strategie der verbrannten Erde, zerstörten Felder und Dörfer. Hunger breitete sich aus, bis zu 300 000 Menschen starben. Ganze Landstriche wurden entvölkert.
Deutschland hinterließ in seiner kurzen Kolonialperiode vor dem ersten Weltkrieg schreckliche Wunden. Sie waren allerdings kein Alleinstellungsmerkmal des Deutschen Reiches, wie die Historiker Robert Gerwarth und Stephan Malinowski herausgearbeitet haben. Auch andere europäische Staaten waren zu grauenhaften Exzessen fähig. Und man kann solche Taten auch dort nachweisen, wo sich europäische Siedler von ihrer Heimat unabhängig machten, etwa in Amerika oder Australien.
„Kolonialismus ist strukturelle rassistische Gewalt“, sagt der Afrikawissenschaftler Zimmerer. Beispiel Kongo: Belgiens König Leopold II, dem dieses riesige Gebiet auf der Konferenz von Berlin 1885 als Privatbesitz zugesprochen wurde, errichtete dort ein Schreckensregime, zu dessen Abgründen sich Brüssel nur zögerlich bekennt. Kautschuk-Sammlern, die ihre Quote nicht erfüllen konnten, wurden damals reihenweise Hände oder Füße abgehackt. Ein monströses System von Zwangsarbeit zersetzte das Leben, das erst durch das Werk des amerikanischen Autors Adam Hochschild einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde. Man schätzt, dass bis zu zehn Millionen Menschen damals starben.
Gleichwohl glaubt einer Studie der Uni Antwerpen zufolge nahezu die Hälfte der Belgier noch immer, dass ihr Monarch den Afrikanern eher Gutes als Schlechtes brachte. Generationen von Schülern lernten, der König habe zivilisatorischen Segen verbreitet. Erst 2020 schickte König Philippe einen Brief an den kongolesischen Präsidenten, in dem er „tiefes Bedauern“ über die Gräuel ausdrückte. Eine Entschuldigung formulierte er nicht.
Exzessive Gewalt gab es bis in die Phase der Dekolonisierung hinein, wie zum Beispiel die Kriege der Franzosen in Algerien mit hunderttausenden Toten und die Niederschlagung des Mau-Mau-Aufstandes in Kenia durch die Briten zeigen. London hatte Verfehlungen in Ostafrika lange geleugnet, es wurden sogar massenhaft Akten vernichtet, offenbar mit dem Ziel, das Ausmaß der Brutalität in den Internierungslagern zu vertuschen.
150 000 Menschen hatten die Briten in den Fünfzigerjahren verschleppt, um der Guerilla die Basis zu entziehen. Es kam zu Vergewaltigungen und Folter. Und erst 2012 konnte sich Großbritannien zu Entschädigungen an mehrere tausend Opfer durchringen. London zahlte etwa 24 Millionen Euro. Spätere Forderungen wurden mit der Begründung abgeschmettert, dass die Opfer nicht mehr lebten oder nicht mehr zu finden seien.
In Frankreich ist vor allem das Erbe des Algerienkrieges (1954 bis 1962) ein sensibles Thema. Emmanuel Macron hatte noch als Wahlkämpfer 2017 den Kolonialismus als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ gegeißelt, was ihm heftige Attacken von rechts bescherte. Als Staatschef tastet er sich vorsichtiger voran. Er sagt, er wolle Frankreich mit der Vergangenheit versöhnen, er möchte mehr Aufklärung und in den Schulen mehr Unterricht zum Algerienkrieg, dessen Wunden nicht verheilt sind. Doch Anfang des Jahres machte er deutlich, dass es von ihm keine Entschuldigung oder ein Bekenntnis zur Reue geben werde.
Zu den frühen Exzessen kolonialer Gewalt ist auch der Sklavenhandel über den Atlantik zu rechnen, der Afrika das Kostbarste nahm, was der Kontinent zu bieten hatte: seine Menschen. Während Historiker noch dabei sind zu ermessen, wie weit Afrika durch den Sklavenhandel (an dem auch Afrikaner beteiligt waren) zurückgeworfen wurde, lebt in den USA eine Debatte auf, ob Nachfahren jener Verschleppten heute noch entschädigt werden könnten. Es ist vermutlich die Angst vor weitreichenden finanziellen Forderungen, die Europas Willen zur Aufarbeitung des Kolonialismus bremst. Dabei ist nicht zu erwarten, dass sich die komplizierten Fragen nach Entschädigung von selbst verflüchtigen.
Gleichzeitig könnte man sich dem Thema aber auch etwas anders nähern. Denn aus kolonialen Verfehlungen ließe sich lernen und vielleicht eine Politik entwickeln, die sich auf globale Gerechtigkeit konzentriert, vor allem beim Klimaschutz. „Was wir bräuchten, ist eine andere Ethik“, sagt der Afrikawissenschaftler Zimmerer, der stark in diese Richtung forscht und denkt.
Reiche Staaten des Nordens müssten sich in Wohlstandsverzicht üben, um anderen zu ermöglichen, aus der Armut zu kommen. Teilen statt Raffen. Das wäre ein Kompass, der weit wegführt von alten kolonialen Fahrwassern, die tiefe Spuren hinterlassen haben.
Update 22 maart 2025
BRON
Zürcher Unterländer – 19 juni 2021
Uitgelichte foto: Deutsches Bundesarchiv