Weigeren te moorden

Marcel Breuer: United States Embassy (1956-59) in Den Haag


 

Oskar Lafontaine

 
Stell Dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin…
 
Dieser in der Friedensbewegung der 80er Jahre sehr populäre Spontispruch erwacht zu neuem Leben. Viele junge Russen sind auf der Flucht, um sich dem Militärdienst zu entziehen. Und sie haben meine Sympathie. Ich würde mich genauso verhalten. Ein Lieblingslied meiner Jugend war „Le déserteur“ von Boris Vian. „Je ne suis pas sur terre / Pour tuer des pauvres gens“ („Ich bin nicht auf der Erde / um arme Menschen zu töten“) – diese zwei Zeilen waren die wichtigste Botschaft dieses Liedes.
 
Die Arbeiterparteien sagten einst dasselbe. Wir wollen nicht, dass Arbeiter aufeinander schießen und sich gegenseitig töten.
 
Heute haben sogenannte linke Parteien und Gewerkschaften das vergessen. Sie befürworten mehr oder weniger Aufrüstung und Krieg oder sehen in dem von den USA für völkerrechtswidrige Kriege missbrauchten Militärpakt NATO ein Friedensbündnis. In unverhohlener Freude loben die Kriegshetzer in unseren Propagandamedien die russischen Kriegsdienstverweigerer. Diese Kriegshetzer haben nichts verstanden. Auch Ukrainer fliehen über die Grenze, um bei ihren Familien zu bleiben und ihr Leben zu retten. Die ärmeren werden, wenn sie beim Grenzübertritt ertappt werden, verhaftet, die reicheren können sich freikaufen.
 
Unsere Medien berichten über die ukrainischen Kriegsdienstverweigerer so gut wie nichts. Ich las zum ersten Mal darüber in der französischen Zeitung „Le Monde“.
 
Im Krieg werden Menschen gezwungen, Menschen, die sie nicht kennen, zu töten, weil Leute, die am Schreibtisch sitzen, sie dazu nötigen. Das ist die wertebasierte Ordnung, vor der unsere Journalisten und Politiker, allen voran die unbedarfte Frau im deutschen Außenministerium, täglich schwafeln. Würden sich immer mehr Russen und Ukrainer weigern, andere Menschen zu töten, dann wäre der Krieg bald zu Ende.
 
Der deutsche Schriftsteller Erich Maria Remarque („Im Westen nichts Neues“) sagte einmal: „Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich ‘rausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hineingehen müssen.“
Es ist höchste Zeit für einen Waffenstillstand.

 




LITERATUUR
Kurt Tucholsky: Soldaten sind Mörder – „Die Weltbühne“, 4 augustus 1931

Bron uitgelichte foto: haagsgemeentearchief.nl

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