Leven zonder de NATO

Birds Eye, Los Angeles – December 24th, 2021




Wie stopt de grote leugen, wie stopt de propaganda? Wie stopt de ware erfgenaam van de nazi’s?
 
Een rede vorige maand gehouden, een rede waarover bijna complete radiostilte heerst. Laten we afspreken dat elkeen die ze niet beluistert het morele recht verliest zich over de toestand in de wereld te uiten. Laten we hen brandmerken als de doodgravers van de mensheid, van het leven op aarde.


Eugen Drewermann: Wie können wir den Frieden zurĂŒckgewinnen und wie können wir ihn bewahren?
 
Der Theologe, Psychoanalytiker und Autor Eugen Drewermann ist ein radikaler Verfechter von Menschlichkeit, Liebe und Frieden und eine von breiten Kreisen annerkante moralische Instanz in Deutschland.
 
In seiner bewegenden und gewohnt eloquenten Rede auf dem Kongress ‘Ohne NATO leben – Ideen zum Frieden’ behandelt er alle Aspekte und verbindet alle Punkte zu einem Ganzen.

 
 

REDE GEGEN DEN KRIEG

 


 

Het transcript, indien gewenst ook in het Frans…

 

 

Eugen Drewermann

WIE KÖNNEN WIR DEN FRIEDEN ZURÜCKGEWINNEN UND WIE KÖNNEN WIR IHN BEWAHREN?

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde des Friedens.

Ich bin sehr dankbar fĂŒr die Einladung zum heutigen Mittag, besonders aber fĂŒr Ihr Interesse an einer Frage, die die wichtigste in unseren Tagen ist:

Wie können wir den Frieden zurĂŒckgewinnen und wie können wir ihn bewahren?

Rund um die Uhr werden wir beschallt, beeindruckt und in eine Kampagne der Zeitenwende hineingezogen, in der man uns beibringt, dass alles, was seit 1945 in Richtung Frieden versucht worden ist, ein einziger Fehler gewesen sei.

Egon Bahr und Willy Brandt und die Ost-West-Versöhnung, falsch!

Frieden schaffen mit weniger Waffen, Helmut Kohl, falsch!

„Wir sind zu wenig robust gegen Russland vorgegangen“ ist die Lektion, die wir jetzt ĂŒbernehmen sollen.

Und ich halte diesen Vortrag, um generell zu diesem Wendeprogramm „Nein!“ zu sagen, weil es nichts weiter ist als ein Salto mortale in die Vergangenheit. Seitdem ich denken kann, höre ich, dass der Russe kommt, und dass wir Bomben brauchen, Atombomben brauchen, dass wir die NATO brauchen, dass wir militĂ€risch höchst gerĂŒstet sein mĂŒssen. So aber schafft man nicht den Frieden.
 

Krieg ist kontrÀr zur Kultur der Menschlichkeit

Am 3. April wurde im ZDF im SpĂ€tprogramm das Bild einer Ukrainerin gezeigt, die in Butscha ihren Sohn verloren hatte, eine Frau, aufgelöst in TrĂ€nen und Verbitterung. Der Junge war 27 Jahre alt, als er etwa 500m weit zu seiner ArbeitsstĂ€tte gehen wollte und dabei erschossen wurde. Jetzt liegt er in dem Raum dieser Frau. Sie hat ĂŒber ihn einen Teppich gebreitet. Und verzweifelt schreit sie: „Die sollen alle dahin, wo mein Junge hinkommt, unter die Erde!“ Man kann die Not, die Traurigkeit, die Wut, die Hilflosigkeit dieser Frau mehr als gut begreifen.

Aber was macht eine Politik daraus, die die Verzweiflung und das Leiden der Menschen dazu benutzt, einen sinnlosen Krieg immer weiter zu verlĂ€ngern mit immer mehr Waffen, die geliefert werden? Und wie kommt eine christlich sich nennende Partei dazu, die Regierung vor sich her zu treiben, endlich doch schwere Waffen in die Ukraine zu liefern, einen Abnutzungskrieg gegen Russland zu fĂŒhren, „Russland zu ruinieren“, mit den Worten von Frau Baerbock?

Das alles dient nicht dem Mitleid mit den Leidenden. Einzig das Leiden wird sich universalisieren, geht dieser Krieg weiter. Dann wird es unzĂ€hlige solcher Bilder geben. Sie nehmen nicht ab! Gerade im Namen dieser trauernden Ukrainerin mĂŒssen wir erwarten, dass nicht lĂ€nger aufgerĂŒstet wird, sondern dass Friedensverhandlungen eingeleitet werden. Das VerstĂ€ndnis fĂŒr die Ukraine dient nicht der AufrĂŒstungSelenskis fĂŒr einen langen Dauerkrieg unter der Patenschaft der NATO-Mitglieder. Es muss möglich sein, sich miteinander zu verstĂ€ndigen und Frieden zu schließen. Es sind ja nicht allein die Opfer des Krieges, die passiv, als Angehörige von Toten, zu bedauern sind. Es sind auch die Soldaten selber.

Wir, die Deutschen haben am 21. Juni des Jahres ‘41 mit 3 Millionen Soldaten der Großdeutschen Wehrmacht die Sowjetunion angegriffen und uns mit 27 Millionen Toten daraus verabschiedet. UngefĂ€hr 30 Millionen waren das Planziel der Nazis, den ganzen Korridor auszudĂŒnnen fĂŒr germanische Bevölkerungsstrategien. Scheinbar ist das alles wie vergessen.

Aber davon, was das mit 20-, 25jĂ€hrigen macht, erzĂ€hlte mir dieser Tage noch der Sohn eines Soldaten von damals: „Vierzig Jahre lang hat mein Vater von seinem Leben kein Wort gesagt, aber dann, auf dem Sterbebett, vertraute er mir ein Geheimnis an, wie es war. Er war mit einem der letzten Flugzeuge aus Stalingrad evakuiert worden, zwei Beine amputiert. Seine Darstellung: ‚In jeden Ort, in den wir vorrĂŒckten, gab es keine Menschen mehr. Da, mit einem Mal öffnet sich eine TĂŒr und heraus kommt ein alter Mann mit einem kleinen Kind an der Hand. Mein Kamerad zieht das Gewehr, und ich schreie ihn an: ‚Nein!‘ Aber er schießt.‘ Mein Vater hat an dem Tag nie mehr aufgehört zu weinen. Vierzig Jahre spĂ€ter das Trauma, einem Mord beigewohnt zu haben.“

Wir Menschen sind nicht darauf eingerichtet, Soldaten zu werden. SĂ€hen wir, was man uns befiehlt zu tun, wir wĂŒrden es nicht tun. Harold Nash war als Bomber-Pilot der Royal Air Force am Angriff unter Marshal Harris im Juli 1943 an der „Operation Gomorrha“ gegen die Hansestadt Hamburg beteiligt. In einer einzigen Nacht in Hammerbrook starben mehr als 40 000 Menschen, denen mit den Stabbrandbomben der Sauerstoff aus den Bunkern gezogen wurde.

Harold Nash beschreibt seinen Eindruck so: „Es lag unter uns wie ein schwarzes Band aus Samt, bestickt mit Perlen. Aber wir wussten, dass das, was wir dort unten anrichten, schlimmer ist als Dantes Inferno. Aber wir sahen ja nur BrĂ€nde, wir sahen ja keine Menschen. Sonst hĂ€tten wir das nicht tun können.“

Mit einem Wort: Was wir Krieg nennen, was wir MilitĂ€r nennen, ist das Untergraben von allem, was Kultur bedeutet. Erich-Maria Remarque konnte 12 Jahre nach dem sogenannten Ersten Weltkrieg in seinem Buch â€žIm Westen nichts Neues“ genau das beschreiben:

Wenn das – damit meinte er Artilleriefeuer, Bajonettangriffe, Handgranaten, Giftgas, Panzerketten, Typhus -, wenn das möglich war, war alles umsonst, was wir von Platon bis Schopenhauer jemals als Kultur bezeichnet haben.

Das MilitĂ€r ist die Gegenwelt zur zivilen Welt. Alles das, was Ihnen verboten wird zu tun: LĂŒgen, Töten, Brandschatzen, Rauben, Morden, wird im Krieg als befohlene Strategie geĂŒbt und ganz normalen 18jĂ€hrigen Jungen und jetzt sogar MĂ€dchen aufgezwungen.

Und die Bundeswehr hier in Berlin wirbt mit der Aufschrift auf den Omnibussen: „Mach, was wirklich zĂ€hlt!“

Das war 1970 im Vietnam-Krieg unter General Westmoreland das ‘body-counting’ jeden Tag. Welche Einheit hat wieviele Tote nummerierbar zur Strecke gebracht? DafĂŒr gab es PrĂ€mien. Effizient morden, weil es zĂ€hlt. Wie inhuman muss man sein, um diese Propaganda zu akzeptieren? Sie schaukelt durch die Berliner Straßen und sie verdient jede Art des Widerspruchs.

Remarque konnte auch sagen, wie man dahin kommt, Soldat zu werden:

6 Wochen Kasernenhof haben genĂŒgt, dass wir vor einem ehemaligen Postboten, nur weil er die richtigen Epauletten trĂ€gt, durch den Schlamm robben und jeden töten, den er befiehlt zu töten. Wir sind Bestien geworden, Mörder geworden. KĂ€me dein eigener Vater von drĂŒben, du wĂŒrdest ihn mit deiner Handgranate zerfetzen. Das hat man aus uns gemacht.

Wie es geschieht, können Sie bis heute in jedem Lehrbuch jedes Kasernenhofs von jedem Staat der Erde beobachten: Die Entseelung des Körpers zu einer bloßen Marionette. „Die Augen geradeaus! Links schwenkt! Marsch!“ Das alles ist so sinnlos, dass der Zweck um so deutlicher wird: Die Angetretenen sollen nicht denken. Sie sollen aufhören, ein persönliches Gewissen zu haben. Sie sollen aufhören, als Subjekte Verantwortung zu tragen fĂŒr ihre eigenen GefĂŒhle und Entscheidungen. Nichts mehr hat zu gelten, was ihnen die Mutter gesagt hat, der Vater gesagt hat, der Lehrer, der Pfarrer, die BĂŒcher. Jetzt gilt, was der Drill-Sergeant, der BrĂŒllaffe im Hintergrund kommandiert, und nur das. Gut und Böse sind keine sinnvollen Kategorien mehr. Sie sind nicht fĂŒr die Befehle selber, sondern nur noch fĂŒr deren AusfĂŒhrung verantwortlich.

Dass das unmenschliche Prinzipien sind, haben sogar die Amerikaner in den Kriegsverbrecher-Prozessen 1947 begriffen. Die Nazi-Granden wurden angeklagt, und alle antworteten sie:

Wir haben getan, was alle Soldaten tun. Befehl ist Befehl.

Damals konnte der amerikanische AnklĂ€ger sinngemĂ€ĂŸ sagen: Das ist doch euer eigentliches Verbrechen. Ihr habt die Uniform angezogen und aufgehört, Menschen zu sein. Ihr habt euch den Stahlhelm ĂŒber den Kopf geschoben und aufgehört zu denken. Ihr habt euch den Koppel ĂŒber den Bauch geschnĂŒrt und da stand drauf: „Gott mit uns“. Und ihr habt nicht begriffen, wie ihr Gott lĂ€stert, wenn ihr glaubt, was die Nazis und der FĂŒhrer an Stelle Gottes euch ins Gewissen drĂŒcken. Die Preisgabe der PersonalitĂ€t ist das eigentliche Verbrechen, die Voraussetzung fĂŒr alles Weitere.

Dann aber brĂ€uchten wir Menschen, die standhalten und sich nicht umformen lassen unter Befehl. Dies ist der wahre Mut, der dazu gehört, Frieden auf dieser Welt zu haben: „Nein“ zu sagen in persönlicher Verantwortung.

Hermann Hesse, als die Bundesrepublik West aufrĂŒstete 1955, konnte einem seiner Leserbriefschreiber auf die Frage, was denn mit seinem Roman „Demian“ gemeint sei, mit dem folgenden Beispiel antworten: „Es ist möglich, dass sie dich einziehen und dir sagen: ‚Nimm das Gewehr! Ziele! DrĂŒck ab!‘ Und du tust es. Dann werden die Zeitungen sagen, dass du ein treuer, tapferer Soldat bist. Dann wird der MilitĂ€rpfarrer dich womöglich dafĂŒr segnen, dass du den Befehlen gehorcht hast. Die bĂŒrgerliche Welt wird dir zustimmen, dass du sie verteidigt hast. Es ist aber auch möglich, dass in dir selber eine leise Stimme spricht: ‚Du sollst nicht töten!‘ Also nimmst du das Gewehr und zerbrichst es ĂŒber deinen Knien. Dann hast du sie alle gegen dich, die Presse, die Pfarrer, die öffentliche Meinung. Dann bist du ein Querdenker, ein Phantast, ein Pazifist. Aber du hast „Nein“ gesagt, um zu dir selber „Ja“ zu sagen.

Das ist die wirkliche Auseinandersetzung, vor der wir heute stehen, mehr denn je. Es ist nicht möglich, Mensch zu bleiben und sich dahin trainieren zu lassen, Soldat zu werden. Beides geht nicht ineinander!

Kein geringerer als Albert Einstein hat das in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schon gesagt. Nur wenn wir das MilitĂ€r beseitigen, werden wir ohne diese Parallelgesellschaft nicht immer wieder den RĂŒckfall in die Steinzeit erleben, in ein Morden unterhalb dessen, was wir geschichtliche Vernunft nennen. Es ist Zivilisation nur unter der Bedingung zu haben, dass wir die Bereitschaft zum Krieg, prĂ€formiert in der Politik, trainiert auf den Kasernenhöfen, industrialisiert in der RĂŒstung, ein fĂŒr alle Mal mit „Nein“verabschieden.
 

Raus aus der Spirale der Angst

NatĂŒrlich werden wir zu hören bekommen, dass das ein phantastisches Programm ist, dem man nicht folgen darf. Denn dann sind wir wehrlos. Dann mĂŒssen wir Angst haben. Und eben deshalb – aus Angst – haben wir das MilitĂ€r. Die gesamte menschliche Geschichte im Verlaufe der letzten sechs- oder zehntausend Jahre können Sie auf diesen Parameter auftragen. Die organisierten VerbĂ€nde bis hin zu Staatengebilden und BĂŒndnissen haben Angst vor einem potentiellen Angreifer.

Und wie antworten unsere Staaten darauf?

Nicht indem sie Angst ĂŒberwinden. Ganz im Gegenteil! Indem wir, die wir Angst haben, mehr Angst machen mĂŒssen jedem potenziellen Angreifer. Mit anderen Worten: Wir haben zwar schon abscheuliche mörderische Waffen, aber vielleicht hat ja der Russe oder der Chinese, irgendjemand, schlimmere Waffen. Das wissen wir nicht. Aber weil es sein könnte, mĂŒssen wir ganz bestimmt die Waffen erfinden, die noch schlimmer sind, als die des Gegners jemals werden. Das Programm ist, Angst zu beruhigen durch Angstverbreitung. Und das Mittel dazu: Immer abscheulichere Mordinstrumente zu systematisieren und zu installieren, eine Spirale ohne Ende.

Das, was wir im Kalten Krieg erlebt haben, nannte sich dann sogar Frieden durch wechselseitige Abschreckung, ‘balance of power‘.
 

Und was kommt bei dieser Logik der Angst heraus?

Am 6. August 1945 von den Marianen aus startete der Bomber-Pulk mit der Enola Gay mit Major Tibbets an Bord.
Nach den Wettermeldungen wurde der Pulk gelenkt auf Hiroshima. Und um 8.15 Uhr mit einer einzigen Bombe starben mehr als 100.000 Menschen in wenigen Sekunden. Damals hielt die Welt den Atem an.

Karl Barth, ein Schweizer Theologe, sagte:
„Wir mĂŒssen ĂŒber Krieg nie mehr reden. Es kann keinen Krieg mehr geben. Er ist das Unrecht schlechterdings. Hiroshima ist das Ende dessen, was je Krieg geheißen hat.“

Was man nicht ahnte: 14 Tage spĂ€ter schickten die Amerikaner ihre Kamerateams in die TrĂŒmmerlandschaften von Hiroshima, um alles aufzunehmen. Nicht um das Grauen zu dokumentieren und es in Ewigkeit unmöglich zu machen, nein, um herauszufinden, in welchem Abstand die Druckwelle, die Strahlenwelle, die Hitzewelle Menschen verstrahlt und zerstört hatte, um beim nĂ€chsten Mal es besser, effizienter machen zu können. Und so ging das weiter bis 1952. Eine Uran-Spaltbombe hat ihre physikalische Grenze beim Abstrahlen der Neutronen, eine kritische Masse. Mehr davon kann man nicht gemeinsam lagern. Also mĂŒssen wir die Sonnenenergie, die Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium vom Himmel auf die Erde holen, die Wasserstoffbombe, sie ist physikalisch ohne Grenzen. Wenn wir die haben, haben wir die schlimmste Waffe, wir sind dann Sowjetrussland ĂŒberlegen, also werden wir sie haben. In dieser Art ging das stĂ€ndig weiter. Beim Erproben ĂŒbrigens der Wasserstoffbombe hatte man nötig, 40.000 Wirbeltiere mitzunehmen, um genau das zu sehen: Wann platzen die Trommelfelle, wann verbrennt die Haut, in welcher Generation entstehen Missbildungen durch genetische VerĂ€nderungen infolge radioaktiver Strahlung. Damit man es machen könnte, nicht um es zu verhindern, testete man es aus.

So treibt die Angst voreinander zu immer wahnsinnigeren paranoiden Ideen des militĂ€rischen RĂŒstens. Und es schafft nicht Sicherheit, es ist die Bedrohung der ganzen Menschheit durch den Menschen, durch niemanden sonst. Also mĂŒssen wir aus dieser Spirale heraus und das Allereinfachste und Wichtigste dabei lernen: Der Friede kommt nicht durch die StĂ€rke der Waffen, durch die Überlegenheit der RĂŒstung. Die Bergpredigt hat vollkommen recht, in den Worten Jesu:
In dieser Welt wage ich die Menschen glĂŒcklich zu nennen, die den Mut haben, wehrlos zu bleiben. Nur die bereiten den Frieden. (Mt 5,5-9)

AbrĂŒstung statt AufrĂŒstung!

Nicht nur weniger Waffen, sondern ĂŒberhaupt keine Waffen mehr!

Immanuel Kant vor ĂŒber 200 Jahren konnte sich das vorstellen. Wenn der eine Staat rĂŒstet, macht er dem Nachbarstaat Angst und der wird auch rĂŒsten. Und die Spirale der Gewalt wird immer weiter eskalieren. Am Ende sind die Ausgaben fĂŒr die RĂŒstung so teuer, dass man Krieg fĂŒhren muss, damit es sich rentiert. Schon Montesqieu konnte angesichts der RĂŒstungspolitik der Preußen sagen, wir haben inzwischen mehr Waffen als Nahrungsmittel. – Wir heute haben 60 Millionen FlĂŒchtlinge, Binnen-FlĂŒchtlinge allein in Afrika. Aber wir mĂŒssen 100 Milliarden schon mal fĂŒr RĂŒstung versprechen in der nĂ€chsten Zukunft, fĂŒr die nĂ€chsten zwei Jahre. Haben Sie je gehört, dass wir auch nur zwei Milliarden Dollar gehabt hĂ€tten fĂŒr FlĂŒchtlinge, dass wir eine Milliarde Dollar gehabt hĂ€tten fĂŒr die Leute, die als FlĂŒchtlinge auf Lesbos oder Samos sitzen seit fĂŒnf Jahren, jeden Winter unbeachtet? DafĂŒr haben wir kein Geld. Aber fĂŒr RĂŒstung allemal.
 

Wie durchbrechen wir den Todeskreislauf der Angst?

Einfach indem wir aufhören, Angst zu haben und uns machen zu lassen.

Das Problem dabei ist auch gelegen in der Friedensbewegung. Sie hat allemal großen Zulauf gewonnen mit dem Argument, dass wir selbst gefĂ€hrdet sind. Die Dislozierung der Pershing 2 wurde in der Rede vor mir bereits angesprochen. Damals in Bonn war der Zulauf gewaltig. Auch 1991 beim ersten Golfkrieg waren Tausende auf den MarktplĂ€tzen, denn man fĂŒrchtete sich. Die US-Navy hatte ĂŒber 400 Atombomben im Persischen Golf. Was wird mit der Energieversorgung? Katastrophenszenarien. Angst sollte ein Motiv zum Frieden sein. Aber was wir erleben, ist ein ganz anderes. Es ist als allererstes ein Motiv zu rĂŒsten und zur Bereitschaft fĂŒr den Krieg.

Und dann hat man nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sich einen neuen Feind fĂŒr die NATO ausgeschaut, den Islamismus. Damals war es kein Problem, dass Putin völlig sinnlos den zweiten Tschetschenien-Krieg vom Zaun brach. Es war eine Aktion der Anti-Terror-Kampagne, gemeinsam. Es war ein Verbrechen, nicht geringer als der Überfall auf die Ukraine. Aber es ging durch, weil wir es ja genauso machen.

Wann kommen wir aus dem Kreislauf der Angst heraus?

Da hat Mahatma Ghandi ohne Zweifel recht. Der Friede kommt nicht aus der Motivation der Angst, im Gegenteil, einzig aus der StĂ€rke der eigenen Person. Durch die Treue zu sich selber, durch den Mut, ein eigenes Gewissen zu haben. Auf Indisch: Satyagraha (beharrliches Festhalten an der Wahrheit), „denke selber“ hĂ€tte Kant gesagt, „bleibe du selber“ hat Gandhi gesagt. Der Widerstand gegen die Bereitschaft zum Krieg und zur RĂŒstung fĂŒr den Krieg liegt eigentlich nur darin, sich nicht lĂ€nger einschĂŒchtern zu lassen. Und das wĂ€re die Kampagne am heutigen Mittag: Wir mĂŒssten den uns Regierenden erklĂ€ren: Wir lassen uns von euch nicht lĂ€nger ins Bockshorn jagen durch immer neue Schreckensszenarien wie „Der Russe kommt!“, wie „Der Chinese kommt!“ Dass ihr kommt, ist schlimm genug! Und jetzt machen wir euch da oben Angst, weil wir uns keine Angst mehr machen lassen. Wir wollen den Todeskreislauf der stĂ€ndigen Eskalation, wer kann noch effizienter, besser und umfĂ€nglicher morden, ein fĂŒr alle mal beseitigen. Die uns Vertretenden haben die Pflicht, sich zueinander zu setzen und ĂŒber ihre Ziele, ihre Interessen vertrĂ€glich zu verhandeln.

Wenn wir Angst ĂŒberwinden wollen, ist es so Ă€hnlich, wie wenn Sie Ihrem eigenen Hund in die Augen schauen. Ihre Nachbarin hat gesagt, er ist Wadenbeißer, Sie aber mögen ihn und Sie wissen, dass er lediglich Angst hat, deshalb kann er bissig werden. Sie mĂŒssen ihn beruhigen, aber nicht mit der Peitsche kujonieren. Bei Vierbeinern wissen wir das. Bei Menschen scheinen wir gar nicht nötig zu haben, ein Gleiches zu tun. Sehen wir mal in die Augen dessen, den wir fĂŒr den Feind erklĂ€ren. Er hat genau vor uns die Angst, die wir ihm machen, weil wir vor ihm Angst haben. Und dieser Teufelskreis muss ein Ende haben.

Es gab eine glĂ€nzende Gelegenheit 1973, als Helmut Schmidt mit Breschnew sprach ĂŒber die Dislozierung der Pershing 2. Und Breschnew sagte, das macht uns Angst. Und Schmidt antwortete, eure Raketen machen uns Angst. Was fĂŒr eine wunderbare Situation zu sagen: Wir hören damit auf. Keiner muss Angst haben vor dem anderen, damit ist Schluss. Stattdessen setzte Schmidt die Dislozierung der Pershing 2 durch und hielt es bis zum Ende fĂŒr den Teil seiner Erfolgspolitik, nicht militĂ€risch, sondern wirtschaftlich: Man hatte Russland kaputt gerĂŒstet. Das ist, was wir im Hintergrund sehen. HĂ€tten wir es nur zu tun mit dem Reflex der Angst, wĂ€ren wir in einer psychologisch verstĂ€ndlichen, allgemein menschlichen Lage befindlich. Was wir aber miterleben, ist der Missbrauch der Angstreflexe durch eine gezielte Politik, die Angst benutzt, um die eigene Machtstrategien durchzusetzen. Und da sind wir bei dem Problem, das thematisch heute angesprochen werden soll: Raus aus der Nato!
 

Die NATO verteidigt die Macht der USA, doch nicht den Frieden

Seitdem sie gegrĂŒndet wurde, fast zeitgleich mit der GrĂŒndung der Bundesrepublik West 1949, haben wir ein MilitĂ€rbĂŒndnis, dessen strategisches Ziel eigentlich schon 1945 definiert wurde.

Damals konnte Winston Churchill erklĂ€ren, dass man die falsche Sau geschlachtet hĂ€tte: Adolf Hitler. Der Krieg mĂŒsste eigentlich gleich weiter gefĂŒhrt werden, gegen Stalin, gegen Moskau. Und die Deutschen sind dabei die besten Soldaten. 40 Kilometer vor Moskau waren die doch schon. Wenn wir die gewinnen und lassen sie marschieren, ist das geschwĂ€chte Russland nach 27 Millionen Toten endgĂŒltig am Ende. Das ist unsere Chance. Mit solch einem Programm ist die Bundesrepublik gegrĂŒndet worden, als Aufmarschglacis gegen die Sowjetunion.

Und der NATO-Beitritt ‘55 passte genau in dieses Schema. Was die wenigsten von Ihnen wissen, war der geheime Krieg, der illegal mitgefĂŒhrt wurde. Es ging dahin, dass man in jedem Fall eine Machtergreifung durch kommunistische Parteien in Italien, in Griechenland, wo immer auch sonst, verhindern musste durch inszenierte BĂŒrgerkriege, Überwachung und gezielte Tötungen. Selbst der SPD-Vorsitzende Ollenhauer stand auf der Liste der Bedrohung US-amerikanischer Imperialziele. Wenn er denn an die Macht gekommen wĂ€re, hĂ€tte man um sein Leben fĂŒrchten mĂŒssen. Die Geheimarmee Gladio machte im Untergrund das, was offiziell die NATO sowieso tat.

1952 schon waren wir unter Adenauer dabei, den EuropĂ€ischen Verteidigungsgemeinschafts-Vertrag zu unterschreiben. Sieben Jahre nach dem Desaster des Zweiten Weltkriegs hatten Deutsche schon wieder dabei zu sein, weil Amerikaner es wollten. Damals wollten es nicht die Franzosen, nicht schon wieder östlich vom Rhein Deutsche in Uniform. Drei Jahre spĂ€ter hatten wir das, was wir bis heute beibehalten haben. Wir mĂŒssen gegen Russland gewappnet sein.

Wir haben uns 2001 gewundert, dass man die Freiheit Deutschlands am Hindukusch verteidigen kann. Ich war elf Jahre alt, als ich hörte aus dem Munde von Konrad Adenauer, dass wir die Freiheit Deutschlands in Korea verteidigen. Keiner dieser SprĂŒche hat an AktualitĂ€t verloren oder gar an Unsinnigkeit. Es ist gesteigert worden, durch die Repetition des Verkehrten zur Gewohnheit erhoben worden. Und was Sie in Form der NATO haben, ist nicht nur eine unendliche Spirale der RĂŒstung, sondern auch der Propaganda imperialistischer Machtdurchsetzung.

Wer bedroht denn da wen, ganz simpel?

Die US-amerikanische Politik ist gestĂŒtzt auf ĂŒber 750 MilitĂ€r-Stationen rund um den Globus.

Russland, wenn Sie es ganz hoch rechnen, kommt auf ĂŒber 30. Der MilitĂ€rhaushalt der Amerikaner betrĂ€gt 750 Milliarden Dollar, der der Russen kaum ein Zehntel davon. Amerika alleine gibt mehr aus als die nĂ€chsten neun militĂ€risch rĂŒstenden Staaten in der Serie, China, Russland, Deutschland, Frankreich zusammen. Und das Programm ist so obsolet, als es nur sein kann.

1989 waren es genau betrachtet zum dritten Mal Russen, die diesmal in Gestalt von Gorbatschow den Vorschlag machten zu entmilitarisieren, dass endlich Frieden wĂ€re. Vom Ural bis zum Atlantik keine Waffen mehr, stattdessen die Konversion von Wissen, Geld, Industrie, Engagement fĂŒr Ziele, die menschlich die Not auf diesem Planeten lindern könnten. Das lag auf dem Tisch. Versprochen wurde Gorbatschow, die NATO werde keinen Zentimeter nach Osten sich ausdehnen. Es wird heute gelogen, das wĂ€re gar nicht so gewesen, ist aber schriftlich zu haben. Genscher machte sich Gedanken, ob die neuen BundeslĂ€nder militĂ€risch genutzt werden dĂŒrften und versprach, dass nein. Wir hĂ€tten den Frieden haben können, wenn wir ihn nur hĂ€tten wollen dĂŒrfen. 1990 aber machten sich die ‘think tanks’ in USA bereits Gedanken darĂŒber, wie wir ein 21. amerikanisches Jahrhundert ausrufen. Die Sowjetunion ist kollabiert, und wir jetzt mĂŒssen das Machtvakuum fĂŒr uns erobern.

Das ist das Programm von allem, was kam. Ein Krieg nach dem anderen im Nahen Osten. Seit 2001 haben die USA 7 islamische Staaten zerbombt, nicht die Russen. Aber man wollte sich alles aneignen, was Russland nicht mehr aktiv verteidigen wird. Und da sitzen jetzt heute wir. Afghanistan ist gerade misslungen, aber Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan, die SĂŒdflanke. Das Baltikum sowieso. Und jetzt zusĂ€tzlich noch zwei neue Staaten, ĂŒber 1000 km GrenzlĂ€nge nach Schweden und Finnland: Raketen können wir genau dahin stellen. Stellen Sie sich vor, was wĂ€re, wenn Russland versucht hĂ€tte, ein zweites Mal eine Kuba-Krise heraufzubeschwören oder in Venezuela, Nicaragua, Bolivien MilitĂ€rstĂŒtzpunkte gegen die USA errichten wĂŒrde, wir hĂ€tten genau dieselbe Krise wie damals 1962 auf Kuba. Das Strategic Air Command war damals bereits in der Luft mit Atombomben zum Angriff. America first! Das lĂ€sst sich nicht bedrohen, wir sind stark, wird Herr Stoltenberg als Chef der NATO sagen. Und wir werden keinen Zentimeter zurĂŒckgehen. Wir gehen lieber hunderte von Kilometern vorwĂ€rts gegen Russland, aber das wĂ€re keine Bedrohung; es wĂ€re ja ein MissverstĂ€ndnis zu glauben, dass wĂ€re nur Machtausdehnung, es ist vielmehr die Antwort auf Putins Versuch, das Sowjetimperium wiederherzustellen.

Gegen diese offiziellen Narrative mĂŒssen wir uns wehren. Wir werden nicht von Russland bedroht. Es wird uns eine Gefahr halluziniert, die zu keinem anderen Zweck als der strategischen Geopolitik der USA und ihrer Machtausdehnung dient. Dass es anders geschildert wird, hindert nicht daran, dass es so ist.

Es gibt gerade von den GrĂŒnen heute ein Argument jenseits von Angst, aufgeblasenem Machtwillen und der Beanspruchung des Imperialismus, das lautet: Uns gehört die Welt und keinem andern.

Weswegen? Weil wir Amerikaner sind, weil wir ‘die Guten’ sind, weil wir ‘first’ sind und weil wir, die EuropĂ€er, mitzumachen haben.

Den Krieg, den Putin fĂŒhrt, kann man ein Verbrechen nennen. Das ist er. Aber man könnte auch sagen, was in Frankreich zum Sprichwort wurde: Er ist schlimmer als ein Verbrechen. Er ist ein Fehler! Weil jetzt Russland alles das bekommt, was es mit dem Überfall auf die Ukraine verhindern wollte: Raketen in ungezĂ€hlter FĂŒlle, dicht bis an die Grenze. Die militĂ€rische Versorgung der Ukraine ist voll im Gange. Ob ein NATO-Staat daraus wird oder nicht, das Faktum ist lĂ€ngst eingeleitet. Alles, was verhindert werden sollte, steht jetzt da, die gesamte EU, Mann fĂŒr Mann, die Hacken beieinander geschlagen. Die Gefolgschaft zu den USA, – besser konnte es nicht kommen. “We get him at the nuts!“ wĂŒrde man auf amerikanisch sagen. Das haben wir hingekriegt. Übrigens die versaute Sprache des MilitĂ€rs ist das Typische. Alles, was mal fĂŒr Liebe und ZĂ€rtlichkeit gemeint war, muss pervertiert werden, damit man Soldat sein kann.

Aber eines wird uns gleichzeitig moralisch beigebracht, die zweite Ebene der LĂŒge: die sogenannte Verantwortung. Aus Mitleid mit Menschen mĂŒssen wir den Krieg verweigern. Die Angst, die zu ihm fĂŒhrt, mĂŒssen wir ĂŒberwinden durch Gemeinsamkeit, in Respekt vor der Angst des anderen, den wir als Gegner ĂŒberhaupt erst zĂŒchten.

So haben wir soeben gesagt. Eines aber wird uns jetzt darauf gesagt werden: Wir mĂŒssen aus Verantwortung humanitĂ€re Interventionen starten und militĂ€rische Eingreiftruppen in aller Welt in Bereitschaft halten. 20 Jahre in Afghanistan haben diese Gedanken nicht geĂ€ndert, ganz im Gegenteil. In Mali sind wir weiter dabei auf Seiten der Franzosen, wir können dranbleiben, es aufzuzĂ€hlen. ‘Internationale Verantwortung’.

Man kann es nicht laut genug sagen: Wir, eines der reichsten LĂ€nder dieser Welt, haben fĂŒr die Welt Verantwortung, allerdings, aber dann muss man sich anschauen, wie sie wahrgenommen wird. Menschen, die nicht mehr wissen, wohin, lassen wir ertrinken im Mittelmeer, lassen militĂ€risch organisiert Frontex heran, um sie durch push-backs zurĂŒck in die KZ’s in Libyen zu schicken, schnĂŒren ihnen die Fluchtwege ab, weil sie ja nur lĂ€stig sind, weil sie Geld kosten. FlĂŒchtlinge aus der Ukraine sind uns jetzt aus politischen GrĂŒnden hoch willkommen. Sie werden noch in 20 Jahren Russland verfluchen und Putin hassen. Das ist politisch korrekt. Leute, die einfach nur als Menschen um einen Ort bitten, wo sie leben könnten, sind uns ungenehm, mĂŒssen ferngehalten werden. Da hĂ€tten wir Verantwortung fĂŒr ĂŒber 50 Millionen Menschen, die jedes Jahr verhungern. Gerade jetzt in Ostafrika droht eine neue DĂŒrre.

Wie sieht da unsere Verantwortung aus?

So, dass in der Chicago-Nahrungsmittel-Börse spekuliert wird auf den Hunger; das kann ja jeder lernen in BWL. Je weniger ein Produkt auf den Markt geworfen wird, desto teurer ist es, wenn es gebraucht wird. Eine DĂŒrre in Ostafrika bedeutet weniger Nahrungsmittel in Ostafrika. Also werden die Preise steigen, und was ein richtiger ‘moneymaker’ ist, der muss jetzt zugreifen, sonst verliert er seine Chancen. Wie kann man aus dem Tod von Millionen Verhungernden Geld scheffeln? Das ist Kapitalismus, wie wir ihn haben. Verantwortung, wie man sie uns predigt. Ausblenden der wirklichen Not, die wir lösen mĂŒssten, und die Erfindung von virtuellen Ängsten, die völlig ĂŒberflĂŒssig sind. 100 Milliarden fĂŒr RĂŒstung, mal eben versprochen, AufrĂŒstung der Bundeswehr, voll im Einsatz neuerdings, so sollen wir in die Zukunft gehen.

In Wirklichkeit verhindern wir die Menschlichkeit der Zukunft, indem wir die HumanitÀt wegsperren durch unsinnige Machttiraden.
Deshalb sagen wir aus Verantwortung: Nein zur AufrĂŒstung, Nein zum MilitĂ€r und verweigern wir den Wehrdienst.

[Applaus]
 

Die Perversion der Moral

Und dann kommt es eigentlich noch Ă€rger. Man sollte denken, dass Moral ein Instrument wĂ€re, Unmenschlichkeit zu verhindern. Nicht so, wenn das Wort ‘Krieg’ ausgesprochen wird. Dann werden Sie miterleben, dass bereits im Vorfeld die Moral zur Waffe instrumentalisiert wird. Sie lesen die Zeitung. Mit wem fĂŒhren wir jetzt Krieg? Putin. Und das ist:

ein Mörder, sagt Herr Biden,
ein Krimineller, sollen wir alle sagen,
ein DĂ€mon, wird die Bild-Zeitung sagen,
ein Teufel, das absolut Böse, das wir aus moralischen GrĂŒnden absolut, mit allen Mitteln, bekĂ€mpfen und vernichten mĂŒssen.

Auch das haben wir hier erlebt seit 1945. Es ist kein Krieg vom Westen gefĂŒhrt worden außer gegen Hitler. Ho Chi Minh – Hitler, Saddam Hussein – Hitler, Gaddafi – Hitler, Milosevic – Hitler, immer bekĂ€mpfen wir das absolut Böse aus moralischen GrĂŒnden im Vorfeld. Die Idee ist so falsch, dass Sie im Jahre 1520 aus der Feder von Erasmus von Rotterdam in wenigen SĂ€tzen die Entlarvung dieser Selbsthypnose der Unmenschlichkeit beschrieben finden.

Wer, wenn es Krieg gibt, fragt Erasmus vor genau einem halben Jahrtausend, wird denn von den Kombattanten seine Sache fĂŒr die falsche erklĂ€ren? Anders! Weil man am Verhandlungstisch sich ĂŒber gut und böse, richtig und falsch nicht einigen kann, treibt man sich in den Wahnsinn, das Schlachtfeld zu erklĂ€ren als den Ort einer Gottes-Justiz, eines Orlog. Und dann wird der effizienteste Mörder, weil er gesiegt hat, sich das Recht nehmen, zu behaupten, dass er immer schon im Recht gewesen ist. Er hat in Wahrheit nur bewiesen, dass er unmenschlicher ist als derjenige, den er besiegt hat. Denn zum Sieg gehört der Einsatz der furchtbarsten Zerstörungsmittel.

Und das mĂŒssen Sie jetzt wirklich lernen. Im Vorfeld jedes Kriegs werden Sie mit LĂŒgen und Propaganda-Aussagen dahin gelenkt, den potenziellen Gegner zu hassen. Er war schon immer schlimm, immer war der Russe schuld. Er war es in Wirklichkeit nie im ganzen zwanzigsten Jahrhundert, aber er hatte es zu sein, weil wir Macht ĂŒber seinen Korridor haben wollen. Sagen wir es noch genauer.

Brzezinski konnte sich rĂŒhmen, als Vordenker der amerikanischen Außenpolitik zu erklĂ€ren, was wir zu fĂŒrchten hĂ€tten: Nicht den Russen, aber dass sich Westeuropa und Russland verbinden wĂŒrden zu einem Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok. Eurasien als geschlossener Wirtschaftsraum, das wĂ€re das Ende der amerikanischen Weltmacht-Illusion. Das mĂŒssen wir fĂŒrchten. Deshalb darf Nordstream 2 nicht gebaut werden, deshalb mĂŒssen wir FlĂŒssiggas aus ‘fracking’ teuer anlanden in speziellen HĂ€fen, die noch gebaut werden, damit Amerika sich durchsetzt.

Aber das alles wird garniert mit moralischen GrĂŒnden: Die da drĂŒben sind böse. So muss das sein: Wenn Sie Menschen töten sollen, dĂŒrfen Sie keine Menschen mehr töten, sondern haben Sie es zu tun mit Ungeziefer, Pesterregern, LĂ€usen, Teufeln, was auch immer. Und das Furchtbare ist, dass Begriffe, die zur Moral gehören, und eben deshalb einen jeden Menschen, weil er ein Mensch ist, einbeziehen, fraktioniert werden zum Gegensatz zwischen den ‘hier Guten’ und den ‘drĂŒben Bösen’. Und selbstredend sind stĂ€ndig wir die Guten und natĂŒrlich die jenseits der Grenzen das absolut Böse. Allein dieses KalkĂŒl verĂ€ndert alles, was wir Menschlichkeit nennen könnten.

Phil Zimbardo, ein amerikanische Psychologe, hat zwei BĂŒcher darĂŒber geschrieben: ‚Das Stanford GefĂ€ngnis Experiment‘ und ‚Der Luzifer-Effekt’ zu Abu Ghraib. Er wollte lediglich beschreiben, was daraus wird, wenn sich eine Gruppe von Menschen als ‘die Guten’ hinstellt und sich die Aufgabe zuspricht, die Gegengruppe als ‘die Bösen’ bekĂ€mpfen zu mĂŒssen.

Eben bei der RĂŒstung haben wir gesehen, dass wir immer gefĂ€hrlicher, brutaler, schrecklicher rĂŒsten mĂŒssen. Dieselbe Aussage mĂŒssen wir jetzt ins Moralische ziehen. Wir, die wir ‘die Guten’ sind, gewissermaßen der Erzengel Michael im Kampf gegen den Teufel, werden selber auf diese Art ‘das Böse’, das wir bekĂ€mpfen wollen, in unsere eigene Seele und Psychologie aufnehmen. Wir mĂŒssen böser sein als jeder denkbare Böse sein könnte. Wir wollen den Bösen in die Hölle schicken, aber wir machen die ganze Welt, dabei an allererster Stelle uns selber, zum Herrschaftsgebiet des Teufels. Diese Spaltung der Moral verdirbt selbst Menschen, die es gut meinen, dahin, die schlimmsten Dinge tun zu können oder sogar tun zu mĂŒssen. Auch diese Spirale mĂŒssen wir irgendwann einmal durchbrechen.
Und wieder hÀtte die Bergpredigt vollkommen recht:
KÀmpft nicht gegen das Böse, steht da. (5. Kapitel MatthÀus, Vers 39)

Aus genau diesen GrĂŒnden, wenn Sie das Böse bekĂ€mpfen, hat Isaac Newton recht:
Druck erzeugt Gegendruck, Das Böse, das Sie bekĂ€mpfen, schleicht sich ein in Sie selbst. In Ihre Seele, es verbessert nichts. Der ‘crash’ von zwei DruckstĂ€rken produziert sich, quadriert sich, vergrĂ¶ĂŸert sich ins immer Höhere. Kampf gegen das Böse ist daher gar nicht möglich. Wie aber dann?

Eben noch sagte ich, wir könnten ja mal schauen in die Augen Ihres bissigen Hundes, besser Ihres vermeintlich gefĂ€hrlichen Gegners und Sie interessieren sich fĂŒr dessen Angst. Dann sind Sie dicht dabei, zu tun, was in moralischer Absicht das einzig Richtige wĂ€re: Sie suchen den anderen zu verstehen in den GrĂŒnden, weswegen er so handelt. Wenn Sie es aus dem Bergpredigt-Text nicht lesen wollen, können Sie es auch 500 Jahre frĂŒher vom Buddha hören: NatĂŒrlich gibt es Gut und Böse, aber beides hat seine Ursachen.

Dann kommen wir nicht daran vorbei, dem Papst recht zu geben, wenn er sagt, der Krieg in der Ukraine hat ja GrĂŒnde. Solche, die bei uns liegen. Warum in unserer Gesellschaft werden denn Menschen böse? Doch nicht, weil ihnen das einfĂ€llt oder weil sie Spaß dran hĂ€tten. Sie können 2001 noch Putin im deutschen Bundestag sehen, wo er auf Deutsch eine Rede hĂ€lt und ihm die damaligen Abgeordneten ‘standing ovations’geben. Das war 2001.

2005 sehen Sie Schröder, dessen Namen man gar nicht mehr aussprechen darf als Putin-Freund, auf den Stufen der UniversitĂ€t in Königsberg, in Kaliningrad, stehen, gegenĂŒber dem Kant-Denkmal von Marion von Dönhof. Etwa 400 Meter weiter von den UnterstĂ€nden, die man als Museum geformt hat zur Erinnerung an die Zeit, als Königsberg als Festung noch gehalten werden sollte gegen den Ansturm der Roten Armee. Auf Russisch und Deutsch werden die Kommandos ausgetauscht, bestimmte Szenen eingespielt.

Die Vernunft Immanuel Kants, die Gedanken zum ewigen Frieden, konfrontiert mit dem ewigen Wahnsinn der UnterstĂ€nde – wir mĂŒssen kĂ€mpfen! Putin und Schröder gemeinsam zur Einladung fĂŒr einen europĂ€ischen Frieden.

Er sollte nicht zustande kommen. Als ein Jahr spĂ€ter in MĂŒnchen bei Herrn Ischingers Konferenz zur AufrĂŒstung mehr oder minder Putin erklĂ€rte, es droht, wenn wir so weitermachen, ein kalter Krieg, konnten deutsche Gazetten schreiben: Putin: Kalter Krieg! Den wollte er vermeiden! Wir wollten ihn, unbedingt sogar, durch permanente Ausdehnung der NATO. Sie hatte ‘89 sechzehn Staaten, heute hat sie 30 Staaten, ĂŒbermorgen 32 Staaten, Moldawien und Georgien sind schon in der Zielscheibe. Das soll so weiter gehen. Keine Versöhnung! Die SchwĂ€che des anderen ausnutzen! Machtgewinn! Strategisch sich durchsetzen mit allen Mitteln!

Allein der Krieg im Nahen Osten hat ĂŒber zwei Millionen Tote gefordert. Haben Sie irgendetwas gehört, dass wir dabei ein Verbrechen begangen hĂ€tten?

Wenn Assange die Bilder aufnimmt, die Chelsea Manning ĂŒber einen Hubschrauberangriff auf Zivilisten in Bagdad weitergegeben hat, wenn gezeigt wird, mit welchem Jargon man Menschen kaputt schießt, reuelos, skrupellos, und es kommt ins Internet, ist nicht das Verbrechen der GI’s das Verbrechen, sondern dass es mitgeteilt wird im Internet. DafĂŒr gehört Assange 175 Jahre lang eingesperrt, muss verfolgt werden seit zehn Jahren, mit falschen Behauptungen getrieben werden. Darf er, wenn ĂŒberhaupt, in London nur bleiben, weil er so krank ist, dass er nicht ĂŒberstellt werden könnte in die USA, nicht weil wir, die EuropĂ€er, mal sagten, es muss möglich sein, die Verbrechen des MilitĂ€rs offenbar zu machen, damit sie aufhören?

Die LĂŒge muss ein Ende haben!

[Applaus]

Was wir erleben, ist, dass die simpelste moralische Reaktion auf das verbrecherische MilitĂ€r unterdrĂŒckt werden muss durch Geheimhaltung, und das ist die Geschichte des MilitĂ€rs ĂŒberhaupt. Nie dĂŒrfen Sie wissen, was gemacht und geplant wird. Sie sind ja die BĂŒrger, die sich geschĂŒtzt fĂŒhlen mĂŒssen durch den starken Staat, der nur das Gute will. Nochmal: Immanuel Kant konnte sagen, die Moral des Politischen ist ganz einfach: Handele so in der Öffentlichkeit, dass du deine Absicht öffentlich erklĂ€ren könntest. Alle LĂŒgen, Geheimdiplomatie, Spionage, Waffen, die der Gegner gar nicht wissen darf, aber ihn abschrecken sollen, fĂ€nden augenblicklich ihr Ende.

Und dann kĂ€me zur Moral noch ein Weiteres: Wir dĂŒrften nicht lĂ€nger uns einreden lassen, dass die Trennung von Gut und Böse juristisch und ethisch unausweichlich wĂ€re. Wenn jemand wirklich etwas tut, das nach moralischer Wertung als böse bezeichnet werden muss, ist uns nicht die Pflicht gegeben, dagegen anzukĂ€mpfen, sondern nachzuschauen, aus welchen ZusammenhĂ€ngen, mit welchen Absichten, unter welchen Bedingungen der andere so in die Ecke getrieben wurde, dass er meinte, so handeln zu sollen. Und diese UmstĂ€nde, die wir selber mit zu verantworten haben, mĂŒssen wir abtragen.
 

Was ist mit der Ukraine?

Der Krieg wÀre bis zum letzten Tag nicht nötig gewesen, hÀtte man, was Russland forderte: MilitÀr-politische NeutralitÀt der Ukraine und endlich Frieden im Donbas und die Zugehörigkeit der Krim zu Russland akzeptiert.

Stattdessen hatte es das United Kingdom nötig, genau den Ansatz einer solch möglichen Verhandlung zu unterminieren und Selenski dann den RĂŒcken zu stĂ€rken mit immer neuen Versprechungen. Er muss durchhalten, er ist der Starke, er muss hetzen gegen die Russen.

Ich will die Politik, die dahinter steht, kulturgeschichtlich nicht lĂ€nger kommentieren, aber erinnern darf ich daran, dass Kiew einmal der Ursprungsort der russischen Orthodoxie war um 900, und die russische Kultur da ihre Wurzeln hat. Die Ukraine hat lĂ€nger zu Russland gehört, als es die Vereinigten Staaten von Amerika ĂŒberhaupt gibt. Dass die Ukrainer nicht gerade glĂŒcklich waren unter der Zarenherrschaft und noch weniger unter Stalin, ist allgemein bekannt. Auch die Russen haben gigantische Fehler begangen. Die Kornkammer, die Ukraine, mit Millionen Hungertoten unter Stalin in den dreißiger Jahren, das alles ist eine ganze Serie von Verbrechen, die wir nicht ĂŒbersehen dĂŒrfen und die den Hass mancher Ukrainer auf Russland bestĂ€tigen und erklĂ€ren können. Vergessen dĂŒrfen wir auch nicht, dass, als die Nazis einmarschierten, ganze Teile der Ukraine die Deutschen begrĂŒĂŸten als Befreier von Stalin. Und von dieser Denkungsart gibt es heute noch in der Kiewer Regierung eine ganze Reihe Bandera-AnhĂ€nger.
 

Imperialismus und Kapitalismus

Das alles mĂŒssten wir verstehen, und wir mĂŒssten es durch Friedfertigkeit, aber nicht durch AufrĂŒstung – den RĂŒcken stĂ€rkend gegen den Feind – beantworten. Versöhnung mĂŒsste ein Ziel sein, aber dann mĂŒssten wir aufhören, imperiale Machtpolitik zu treiben, dann mĂŒssten wir wohl auch begreifen, dass der Imperialismus nicht nur eine politische MachtgebĂ€rde ist, sondern gewissermaßen eine kapitalistische Notwendigkeit. Ein Wirtschaftssystem wie das unsere kann Frieden nicht wollen. Es besteht auf dem Glaubenssatz, dass das Bessere der Feind des Guten ist, also dass wir immer schneller in Konkurrenz miteinander den anderen vor die Wand stellen mĂŒssen. Schneller, grĂ¶ĂŸer, weiter, reicher, umfangreicher, das ist Krieg im Wirtschaftsraum. Und es soll keine Überlebenden geben, nur die Sieger. ‘The winner takes it all‘. Und der Zweite ist der schlimmste Verlierer; hĂ€tte er nur ein bisschen schneller laufen können, hĂ€tte er ja gesiegt. Schade, schade!

Diese Welt der permanenten Konkurrenz dĂŒrfen wir nicht lĂ€nger akzeptieren, auch wenn sie uns beigebracht wird schon in der Schule, schon im Kindergarten, im Leistungsvergleich gefördert wird. Was dabei nicht gefördert wird, ist die simple Menschlichkeit, MitgefĂŒhl zu entwickeln, SensibilitĂ€t, Empathie, die Verbindlichkeit von GefĂŒhlen, die einander zugesagt werden, die GĂŒltigkeit von Versprechen, die dem Frieden dienen. Eine Politik, die mit System alles das verleugnet, eine Dauer-Presse, die jeden Tag das Gegenteil uns in die Seele schreiben möchte, können wir nur ablehnen, weil das, was menschlich ist darin, verfĂ€lscht wird mit Bewusstsein.

Machen Sie die simpelste Probe aufs Exempel. Nehmen Sie 1916 die Schlacht von Verdun. Hunderttausende von Toten! Und was steht in den Zeitungen? Wie tapfer unsere Soldaten unter dem Gefechtsfeuer des Feindes ihre Stellung bewahren, wie sie zurĂŒckschießen und drĂŒben furchtbare Verwundungen und Verletzungen anrichten, eine Siegeshymne aus der Orgie des Schreckens. Niemals – behaupte ich – hat irgendeine Zeitung die Wahrheit geschrieben ĂŒber das, was ein Schlachtfeld ist. Tucholsky konnte das. Er nannte 1914 bis 1918 ‘die große Boulangerie’. Schlimmer als das Schweineschlachten ist das Schlachten von Menschen, aber deshalb nennen wir es ja eine Schlacht, deshalb nennen wir es Schlachtfeld. Und keine Zeitung zeigt uns die RealitĂ€t. Am Ende muss man die SchuldgefĂŒhle, den Rest an Menschlichkeit abwischen mit TrophĂ€en, Konfetti-Paraden und neuen medialen Begleiterscheinungen.

1991 im ersten Irak-Krieg, als Bush, der Ă€ltere, mit etwa 50 Staaten ein Dritte-Welt-Land ĂŒberfiel und – man darf schĂ€tzen – etwa 700.000 Tote hinterließ, brauchte man in USA, ‘in God’s own country’ sechs Monate fĂŒr die sechs Wochen Krieg, zwischen Los Angeles und New York City, fĂŒr die Parade des Sieges. Endlich nach Vietnam hatte Amerika gesiegt und nach dem Zusammenbruch des Sowjet-Imperiums der Welt gezeigt, wer der Herr der Welt ist. Das musste bejubelt werden, und so ging es dann weiter.
 

Die große Chance der Nicht-GewalttĂ€tigkeit

Oder 2001, nine eleven. Ein einziger hat damals die Wahrheit gesagt, die ich hier ĂŒbrigens im Sender Freies Berlin am gleichen Tage noch im GesprĂ€ch mit meinem Freund Michael Longard sagen konnte: Amerika muss sich hĂŒten, darauf zu reagieren mit Gewalt. Wenn sie das begreifen, lĂ€ge der Frieden nahe. Zwei Tage spĂ€ter in SĂŒditalien hörte ich in einem Dialog den Dalai Lama antworten auf die Frage einer ziemlich entsetzten amerikanischen Journalistin, was denn in Nine Eleven passiert sei.
‘That’s a great chance for non-violence‘, meinte der Dalai Lama, eine großartige Chance fĂŒr die Nicht-GewalttĂ€tigkeit.
Wie bitte, Sir? Eine große Chance!

Stellen Sie sich vor, 2001 hĂ€tte Amerika sich gefragt: Warum hassen sie uns? Welche GrĂŒnde haben sie? Die Kolonialpolitik in Jahrhunderten, indem wir den gesamten KulturgĂŒrtel im Nahen Osten verwĂŒstet haben, abhĂ€ngig gemacht, Grenzen gezogen haben, ausgebeutet haben. Es gibt 100 GrĂŒnde, weswegen sie uns nicht gewogen sind. Dem mĂŒssen wir mal nachgehen; nur eines dĂŒrfen wir nicht: Hass mit organisierten MilitĂ€rschlĂ€gen beantworten, in denen wir die ganze Welt zu einem unsichtbaren, aber dann sehr konkretem Schlachtfeld machen.

Und dann: Drohnenmorde! Wieder Geheimhaltung! Die deutsche Regierung darf nicht wissen, dass nur ĂŒber Ramstein inzwischen ĂŒber 10.000 Drohnenmorde, unterschrieben von Barack Obama, FriedensnobelpreistrĂ€ger, inszeniert wurden. Er hat ja auch gesagt in Deutschland bei seinem Besuch, es gingen vom deutschen Boden keine Raketen aus. Das ist das ĂŒbliche ‘double-speak’. Sie werden gelenkt, die Raketen, von deutschem Boden aus. Aber das darf man nicht wissen, Frau Merkel nicht, Herr Steinmeier nicht. Dann mĂŒssten wir ja Amerika uns verweigern und sagen, wir hören auf, eure Kolonie zu sein. Das sollten wir werden 1949, aber nun ist Feierabend damit.

[Applaus]

Und wir sind es endgĂŒltig leid, eure Fußtruppe bei euren Machtspielen zu sein. Jetzt sollen die EuropĂ€er Russland angreifen, damit ihr im Pazifik China in Containment-Politik einkreisen und angreifen könnt, AUKUS – Australien, Großbritannien (UK), USA plus Japan, Taiwan, möglicherweise noch Indien, ein GĂŒrtel komplett geschnĂŒrt um China, den nĂ€chsten Staat, den wir dĂ€monisieren und terrorisieren mĂŒssen. Wir könnten ĂŒber die Seidenstraße lernen, was Wirtschaften bedeutet: Der eine gibt dem anderen, was er nicht hat, und bekommt deswegen, was er nicht hat. Frieden wĂ€re Handel.

[Applaus]

Und das von Lisboa bis Wladiwostik, wir hÀtten es haben können!
Aber dann mĂŒssten wir Nein sagen zur Imperialpolitik der USA, zur NATO!
Raus aus der NATO!
Mit ihr ist kein Frieden möglich, weil er nicht sein soll.

[Applaus]

Der Frieden soll auch deshalb nicht sein, weil wir glauben, dass wir uns den Krieg leisten können durch RĂŒstungsĂŒberlegenheit, durch militĂ€rische Überlegenheit, als die StĂ€rkeren. Wir sind schon die ‘number one’,und jetzt mĂŒssen wir zeigen, dass wir es sind und bleiben, ein amerikanisches 21. Jahrhundert.

Wir mĂŒssten antworten mit dem, was wir in Europa gelernt haben ĂŒber Menschlichkeit, ĂŒber GĂŒte von unseren Philosophen, aus dem Neuen Testament, aus der Kultur-Tradition, die dazu gehört, zu wissen in Europa, dass ein Krieg nichts schafft als Unheil. 30 Jahre von 1618 bis 1648 haben wir erlebt, wie man ganz Europa verwĂŒsten kann, nur in Machtspielen, unter dem Vorwand von Religion, von absoluter Richtigkeit.

Wir haben das gelernt und ihr hĂ€ttet es lernen können 1863 in euerm BĂŒrgerkrieg. Wir könnten uns die Hand ĂŒber dem Atlantik reichen zum Frieden. Aber wenn ihr jetzt weiter machen wollt wie bisher, machen wir nicht lĂ€nger mit und sagen:

Raus aus der NATO!
Verantwortung fĂŒr die Welt!
Nein zur RĂŒstung!

und

Ja zu einer universellen Menschlichkeit! Gerne schließe ich mit einem Satz, der von Mahatma Gandhi stammt. Wir ĂŒberlegen stĂ€ndig, was denn zu tun ist, um den Frieden zu retten, zu bewahren. Ganz einfach:
Es gibt keinen Weg zum Frieden. Der Friede selber ist der Weg.

Und wer nicht damit anfÀngt, kann dabei nicht ankommen.
Dann haben Sie das ganze Programm des Neuen Testamentes: AbrĂŒsten, einseitig, das ist, was Jesus, fĂŒnf Tage, bevor man ihn ans Kreuz schlagen wird, der Menschheit vorlebt – beim Einzug in Jerusalem. Er zitiert ein Wort des Propheten Sacharja: KĂ€me wirklich jemand, der die Welt verĂ€ndern könnte im Namen Gottes, wĂ€re seine erste Maßnahme, die Bogen zu zerbrechen, die Kriegswagen zu verbrennen. (Sach 9,9; Mk 11,2.)

Das ist das Programm Jesu. Und dann hat Paulus völlig recht, wenn er sagt, 1.Korinther-Brief, wenn Sie es nachlesen wollen, Kapitel 2 Vers 8: Die Herrscher dieser Welt nennen das Wesen Gottes, seine GĂŒte, schlicht und einfach Wahnsinn. Und deshalb haben sie Jesus umgebracht.

Wir mĂŒssen sagen, was die da oben Wahnsinn nennen mit Bezug auf Gottes GĂŒte, zeigt nur die Paranoia, in der sie selber existieren. Und wir brechen aus dem Irrenhaus dieser Politik ein fĂŒr allemal aus.

Wir beschließen, frei zu sein.

Und dann sind wir bei dem, was Wolfgang Borchert sagen konnte 1947 in Basel auf seinem Krankenlager, als sein VermÀchtnis an die Menschheit.

„Mann an der Werkbank! Wenn sie wieder kommen und dir sagen, du sollst statt Kochgeschirren und Wasserrohren Kanonenrohre und Handgranaten ziehen – Mann an der Werkbank, sag NEIN!

Mann im Labor! Wenn sie wieder kommen und sagen, du sollst den neuen Tod erfinden gegen das alte Leben – Mann im Labor, sag NEIN!

Und Mutter in Deutschland, Mutter in der Ukraine! Wenn sie wieder kommen und dir sagen, du sollst Kinder gebĂ€ren: Jungen fĂŒr die Front, MĂ€dchen fĂŒr die SpitĂ€ler – Mutter in Deutschland, Mutter in der Ukraine, sagt NEIN!

Und Pfarrer auf der Kanzel! Wenn sie wieder kommen und dir sagen, du sollst die Waffen segnen und den Krieg als Gottesurteil verkĂŒnden – Pfarrer auf der Kanzel – sag NEIN!“

Denn wenn ihr nicht NEIN sagt, wird das stets so weiter gehen und immer noch viel schlimmer kommen.

Ich danke Ihnen sehr fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit.

[Applaus]


BRON
Pressenza Berlin – 10 juli 2022
Franse editie: Französisch


 


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